Not much vnlike the wondrer haue ye another figure called the doubtfull, because oftentimes we will seeme to cast perils, and make doubt of things when by a plaine manner of speech wee might affirme or deny him.

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Heinrich von Kleist, eine Anekdote

Mutwille des Himmels

Der in Frankfurt an der Oder, wo er ein Infanterieregiment besaß, verstorbene General Dieringshofen, ein Mann von strengem und rechtschaffenem Charakter, aber dabei von manchen Eigentümlichkeiten und Wunderlichkeiten, äußerte, als er, in spätem Alter, an einer langwierigen Krankheit, auf den Tod darniederlag, seinen Widerwillen, unter die Hände der Leichenwäscherinnen zu fallen. Er befahl bestimmt, daß niemand, ohne Ausnahme, seinen Leib berühren solle; daß er ganz und gar in dem Zustand, in welchem er sterben würde, mit Nachtmütze, Hosen und Schlafrock, wie er sie trage, in den Sarg gelegt und begraben sein wolle; und bat den damaligen Feldprediger seines Regiments, Herrn P…, welcher der Freund seines Hauses war, die Sorge für die Vollstreckung dieses seines letzten Willens zu übernehmen. Der Feldprediger P… versprach es ihm: er verpflichtete sich, um jedem Zufall vorzubeugen, bis zu seiner Bestattung, von dem Augenblick an, da er verschieden sein würde, nicht von seiner Seite zu weichen. Darauf nach Verlauf mehrerer Wochen, kömmt, bei der ersten Frühe des Tages, der Kammerdiener in das Haus des Feldpredigers, der noch schläft, und meldet ihm, daß der General um die Stunde der Mitternacht schon, sanft und ruhig, wie es vorauszusehen war, gestorben sei. Der Feldprediger P… zieht sich, seinem Versprechen getreu, sogleich an, und begibt sich in die Wohnung des Generals. Was aber findet er? – Die Leiche des Generals schon eingeseift auf einem Schemel sitzen: der Kammerdiener, der von dem Befehl nichts gewußt, hatte einen Barbier herbeigerufen, um ihm vorläufig zum Behuf einer schicklichen Ausstellung, den Bart abzunehmen. Was sollte der Feldprediger unter so wunderlichen Umständen machen? Er schalt den Kammerdiener aus, daß er ihn nicht früher herbei gerufen hatte; schickte den Barbier, der den Herrn bei der Nase gefaßt hielt, hinweg, und ließ ihn, weil doch nichts anders übrig blieb, eingeseift und mit halbem Bart, wie er ihn vorfand, in den Sarg legen und begraben.

Heaven’s Caprice

General Dieringshofen passed away in Frankfurt on the Oder, where he commanded an infantry regiment; a man of stern and upright character, but also of many quirks and oddities, he expressed his horror, when he lay dying of prolonged illness at an advanced age, of falling into the hands of the mortuary washerwomen. He gave specific orders that no one, without exception, was to touch his body; that he was to be laid in the coffin and buried exactly as he was found at death, in his customary nightcap, nightshirt and trousers; and asked Herr P., at that time the regiment’s chaplain and a household friend, to take on the responsibility of carrying out this last wish. The chaplain P. promised that in order to prevent any accident, he would undertake not to leave the general’s side from the moment he passed away until the burial. So after several weeks, at first daylight, the valet calls at the chaplain’s house, the chaplain still sleeping, to report that at the hour of midnight, calmly and peacefully as expected, the general has died. True to his promise, the chaplain P. immediately gets dressed and goes to the general’s quarters. And what does he find? – The general’s body sitting on a stool, already soaped up: the valet, who knew nothing of the orders, had called in a barber to give the beard a quick shave, so that the body could be exhibited properly. What was the chaplain to do in such circumstances? He told off the valet for not calling him sooner; sent away the barber, who was holding the general securely by the nose; and since there was nothing else for it, had the general laid in the coffin as he had found him, soaped and with half a beard, and buried.

Kafka tries to review Kleist

Das ist ein Anblick, wenn die großen Werke, selbst bei willkürlicher Zerteilung, aus ihrem unzerteilbaren Innern immer wieder leben, dann vielleicht ganz besonders in unsere trüben Augen schlagend. Darum hat jede Einzelausgabe, welche die Aufmerksamkeit ein für allemal an ein Begrenztes hält, ihr tatsächliches Verdienst, gar wenn sie, wie diese Sammlung Kleistscher Anekdoten, eine neue Einheit respektiert und so den Umfang des Kleistschen Werks förmlich vergrößert. Sie vergrößert ihn selbst dann, wenn wir alle diese Anekdoten schon kennen sollten, was aber zur Freude vieler durchaus nicht der Fall sein muß. Der Kenner wird es natürlich erklären können, warum manche dieser Anekdoten in verschiedenen Gesamtausgaben, selbst in der Tempelausgabe, fehlen; der Nichtkenner wird das nicht verstehn, dafür sich aber desto fester an diesen neuen Text halten, den ihm der Verlag Rowohlt in klarem Druck and ernsthafter Ausstattung (besonders das etwas getönte Papier scheint uns passend) für die Kleinigkeit von zwei Mark liefert.

It is indeed a sight to see how the great works, even arbitrarily broken up, continually come back to life from their unbreakable interiors and, it may be, strike our clouded eyes with all the more force. This is the real contribution of those separate editions which fix the attention once and for all within boundaries, especially when such an edition, as with this collection of Kleist’s anecdotes, amounts to a new unity and so positively increases the extent of Kleist’s works. That extent would be increased even if we were already familiar with all of the anecotes, which to our great fortune cannot possibly be the case. The expert will surely be able to explain why many of these anecdotes are missing from the various complete editions, even from the Tempel edition; the non-expert will not understand the explanation, but for that reason will stand all the more by this new text which Verlag Rowohlt offers him, in clear print and sober layout (the slightly tinted paper in particular strikes us as appropriate) for the pittance of two marks.